Wie sah das Grossmünster zur Zeit Zwinglis aus?

Momentan beschäftigen uns neben der Weiterbearbeitung des Drehbuchs wichtige Vorbereitungen wie zum Beispiel die Frage: Wie sah das Grossmünster zur Zeit Zwinglis aus? Was können wir in unserem Film umsetzen, was nicht?


Einige Ausschnitte aus einem spannenden Gespräch mit dem Kunsthistoriker und Mittelalter-Archäologen Daniel Gutscher, der das Buch «Das Grossmünster in Zürich» geschrieben hat, bevor wir mit der Ausstattung, dem Kameramann und den Postproduktionsexperten einen Rundgang vor Ort machen.



Oben im Chor – im Chorgestühl - sassen die 24 Chorherren und 32 Kapläne; weltliche Machthaber waren hier nicht erlaubt.


Vorne, neben der Treppe, die vom sogenannten Chor zum Kirchenschiff hinunterführt, gab es links und rechts ein Lesepult. Im linken, nördlichen Lesepult wurde aus den Briefen des Neuen Testaments vorgelesen. Diese Briefe waren seinerzeit an Heiden geschrieben worden, deshalb lass man sie auf der «dunklen» Nordseite. Und deshalb standen auch die Frauen links – denn im Mittelalter wurde ihnen keine Seele attestiert!

Sepia von Emil Schulthess 1835


Im rechten, südlichen Lesepult (zur Limmat hin) wurden Bibelpassagen aus den vier Evangelien gelesen, geschrieben für die Gläubigen. Und hier also war es hell, da standen die die Männer (mit Seele...!)


Sofort wird klar: wie sollen solche hochspannenden Details umgesetzt werden – und den Weg in ein Drehbuch, in den fertigen Film finden, ohne dass dieser zu einem didaktischen Lehrfilm verkommt; ohne dass alles erklärt werden müsste – oder eben auch: was ist relevant, was ist zentral für unsere Geschichte?


Übrigens: einmal im Jahr kamen die Damen des Fraumünsters zur Feier des Hochamts ins Grossmünster hinüber. Dann sassen sie auf einem Ehrenplatz links uns rechts des Hochaltars – ihre heiligen Reliquien hatten sie mitgebracht und beim Marienaltar hingelegt, so dass ihre Heiligen ebenfalls anwesend waren...


Die Krypta fristete seit dem 13. Jahrhunder ein Dornröschendasein... Sie war u.a. seinerzeit gebaut worden, weil das Grossmünster ein Kaiserdom, eine königliche Kirche sein wollte, und dazu gehörte eine Kaiserkrypta (wie zB in Speyer), auch wenn sie kaum genutzt wurde - «Imitatio» spielte also schon damals eine wichtige Rolle. Zürich hätte damals eine Bischofsstadt sein wollen. Und selbst wenn der neue Bischof mit viel Brimborium in Konstanz gewählt wurde: seine erste Messe musste er im Grossmünster lesen – dem Kaiserdom quasi! Denn das Grossmünster war damals eindeutig die grösste und prunkvollste Kirche im Bistum Konstanz.

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